Journal für Orgel, Musica Sacra und Kirche
++++++++++++++++++++
Fakten zur Bunk-Orgel Die Reinoldi-CD des renommierten Labels Motette wurde ursprünglich als CD der "Bunk-Orgel" dargestellt. Warum?
Zitat: "Die große Orgel der St. Reinoldikirche in Dortmund (Bunk-Orgel) gebaut im Jahre 1958 von Walcker wurde erstmalig aufgenommen. Kantor Klaus Müller spielt Werke von Bach, Bunk, Lefébure-Wély und Vierne. Das erste und letzte Tondokument dieses großen Instrumentes, das mit dem Namen von Bunk eng verbunden ist."
In der Tat besteht mit der jetzigen Walcker-Orgel in Reinoldi das letzte noch original und komplett vorhandene Instrument, das auf Gerard Bunk höchstpersönlich zurückzuführen ist und seine deutliche Handschrift trägt.
"Bunks Tochter, Gisela Boecker, täte es leid, wenn die Orgel abgerissen würde." (Ruhr-Nachrichten vom 23.08.2008) ++++++++++++++++++++++ Orgelbewegung und Neobarock im Ruhrgebiet zwischen 1948 und 1965 "Gerard Bunk (1888-1958) trat neben seinem Amt als Organist der Dortmunder Reinoldikirche auch als Komponist hervor. Anläßlich seiner Mitwirkung beim Internationalen Regerfest in der Reinoldikirche im Jahre 1910 kam Bunk in Kontakt mit Max Reger, durch dessen Empfehlung er eine Stelle als Dozent am Dortmunder Konservatorium erhielt. Durch seine persönliche Beziehung zu Albert Schweitzer war Bunk gleichsam dem Umfeld der elsässischen Schule verbunden. Dadurch nimmt er eine Sonderstellung ein. Im Jahre 1956 erschien eine von Gerard Bunk verfaßte Bearbeitung des „Musikalischen Opfers“ von Johann Sebastian. Die detaillierten Interpretationsangaben beziehen sich auf eine Orgel neobarocken Typs. Die Bearbeitung gibt dadurch Aufschluss über die neobarocke Spielpraxis, deren Kennzeichen eine farbige, abwechslungsreiche Registrierung mit Manualwechseln und das Pedalspiel mit hochliegenden Solostimmen sind. Bunk, der in seinen ersten Lebensjahrzehnten noch ganz von der Spätromantik geprägt wurde, stand wie viele Organisten seiner Generation der neobarocken Orgelästhetik aufgeschlossen gegenüber, wenngleich er sich als erklärter Gegner der dogmatischen Haltung kirchlicher Sachverständiger im Umgang mit romantischen Orgeln profilierte." aus: Orgelbewegung und Neobarock im Ruhrgebiet zwischen 1948 und 1965, Dissertation von Dr. Stephan Pollok (Ruhr-Universität Bochum 2007/Prof. Dr. Christian Ahrens & Prof. Dr. Hermann Busch), S. 27 http://www-brs.ub.ruhr-uni-bochum.de/netahtml/HSS/Diss/PollokStephan/diss.pdf (8,04 MB) |
Bereits 1939 ließ Gerard Bunk an seiner Orgel, die den Bombenangriffen nicht standhalten sollte, ein neobarockes Rückpositiv durch die Firma Walcker installieren. Bis zur Realisation der neuen großen Nachkriegsorgel in St. Reinoldi brachte Bunk zwei weitere neobarocke Walcker-Projekte in Dortmund klangkonzeptionell engagiert voran.
Ab 1952 stand Bunk eine von ihm disponierte neue große Orgel (III/64) im sog. Goldsaal der Westfalenhalle zur Verfügung.
1954 erklangen zudem wieder erste Orgeltöne an einem kleineren Interimsinstrument in der zum Teil wieder errichteten Reinoldi-Kirche. Letzteres Opus bezeichnete der Reinoldi-Kantor gerne als seine "kleine Bach-Orgel". Im Mai 1958 sollte es dann endlich zur gottesdienstlichen Weihe der von ihm und Max Lorf geplanten neuen großen Reinoldi-Orgel kommen. Bunk verstarb leider jedoch noch im September desselben Jahres. Orgel als Vermächtnis des Gerard Bunk In allen Fällen war Bunk als Kirchenmusikdirektor und anerkannter Fachmann maßgeblich an der Disposition und Konzeption der neobarocken Instrumente beteiligt. "Die von Bunk konzipierten Nachkriegsinstrumente suchten einen Kompromiss zwischen den feindlichen Lagern (der Orgelbewegung, nämlich den radikalen und den ursprünglich symphonisch geprägten Anhängern; Anm. d. Red.). Zwar Schleiflade, aber elektrische Steuerung mit fahrbarem Spieltisch." (Dr. Martin Blindow, in: Orgelgeschichte der Stadt Dortmund)
Gerard Bunk schwärmte in seinen letzten Jahren explizit von Klangerlebnissen seiner Jugendtage (s. Zitat unten aus "Liebe zur Orgel"). Das typische "Ad fontes" der neobarocken Phase war bei ihm deutlich ausgeprägt. So verwundert es nicht, dass von dieser neuen Ausrichtung die hochromantische Reinoldi-Orgel von 1909 ausgenommen war.
Hier 
Disposition der Bunk-Orgel in St. Reinoldi (Quelle: Hausmitteilungen 21 der Orgelbaufirma Walcker vom Dezember 1958) Gerard Bunk spielte am 7. Juni 1958 in seiner 338. Orgelfeierstunde das letzte Mal auf der neuen Reinoldi-Orgel, die ihm nur für kurze Zeit vergönnt war. Interessant ist, was er anlässlich dieser letzten Gelegenheit spielte. Die Mitteilung des Max-Reger-Instituts, Bonn, vom Dezember 1958 gibt folgende Auskunft: „Introduction und Passacaglia d-moll“. Über Bunks Krankenbett hing ein Bild der neuen Orgel.
++++++++++++++++++++
Reinoldi-Kantor Gerard Bunk in seinem Buch "Liebe zur Orgel" (1957) "Denn jetzt, da ich diese abschließenden Zeilen schreibe, rüstet man sich zur Errichtung einer großen Orgel in Reinoldi, die in ihrer reichen Disposition und Spielanlage jene Erfahrungen, die der Orgelbau seit den vergangenen 50 Jahren gesammelt hat, verwertet. Sie wird selbst - erstmalig für Dortmund - aus dem Prospekt herausragende "spanische Trompeten" und sogar einen sich sichtbar drehenden "Zymbelstern" wie bei den ganz alten Orgelwerken, erhalten. Ob beim ersten Erklingen des großangelegten Werkes sich jenes Klangwunder, wie einst in Rotterdam und später in Wesel, wieder auftut? Jedenfalls, dessen bin ich sicher, wird sie in diesen Hallen in ihrer voraussichtlichen Großartigkeit es vermögen, den schmerzlichen Verlust, der uns betroffen, vergessen zu machen. Wohl denen, die nach schwerstem Verlust das zu sagen vermögen! Und so hoffe ich auch, daß es mir beschieden sein möge, sie noch einige der immer schneller dahinfließenden Jahre lang spielen zu können und noch eine Zeitlang der großen Schar der "Spielleute Gottes" angehören zu dürfen." Hinweis: Die Rechte an diesen bislang unveröffentlichten Fotos von Gerard Bunk (ca. 1942) wurden dem Herausgeber dieses Journals dankenswerterweise durch die Bunk-Schülerin Liesel Kreienbaum aus Werne/Westf. übertragen. mehr
++++++++++++++++++++
Zur Entwicklung des Komponisten Gerard Bunk
"... Zunehmend ist bei Bunk in seinen letzten Lebensjahren eine Vertiefung in das Werk Johann Sebastian Bachs festzustellen. Für das Bachjahr 1950 richtete er die Kunst der Fuge für Orgel ein, 1956 erschien seine Orgelfassung des Musikalischen Opfers bei Breitkopf & Härtel. In den Choralimprovisationen läßt Bunk etwa die Welt des Orgelbüchleins neu erstehen; Lobet den Herrn, ihr Heiden all, Lob Gott getrost mit Singen, Nun preiset alle Gottes Barmherzigkeit, Wer nur den lieben Gott läßt walten, Wunderbarer König u. a. sind solche Annäherungen an den Thomaskantor.
Der ‚Rückzug‘ auf Bach geschah im übrigen in einer Zeit, in der die ‚Orgel-bewegung‘ sogar das Werk eines Max Regers zur Diskussion stellte (in diesem Zusammenhang sei wiederum auf Bunks etwa zeitgleich mit den Choralimprovisationen entstandenes Buch Liebe zur Orgel hingewiesen). In den Zyklus ließ Bunk außerdem einige bereits früher geschriebene Choralvorspiele einfließen. Das älteste Stück der Sammlung ist O Haupt voll Blut und Wunden (1907) aus den Vier Orgelstücken im polyphonen Styl op. 12. Die Aria ist »Herrn Proskauer in Bielefeld gewidmet«, der Bunk den Zugang zur Bielefelder Synagogenorgel ermöglicht hatte. Anfang 1937 wurde Mir nach, spricht Christus, unser Held (Mach‘s mit mir, Gott, nach deiner Güt‘) von Bunks ehemaligem Schüler Oswald Schrader in der Unnaer Stadtkirche uraufgeführt. Ähnlich wie Es kommt ein Schiff, geladen oder Christ, unser Herr, zum Jordan kam ist der Doppelkanon in seiner archaisch anmutenden Schlichtheit ein gutes Beispiel für die ‚Neue Sachlichkeit‘ jener Zeit. Vater unser im Himmelreich, ein Lieblingschoral des Komponisten, entstand 1948. ..." Dr. Jan Boecker in www.gerardbunk.de
++++++++++++++++++++
++++++++++++++++++++ Diese Orgel schafft für die Stadt Identität Die zutreffende Analyse des Kunsthistorikers Dr. Wolfgang Rinke zum Stellenwert der Orgel des Hans-Sachs-Hauses dürfte ebenso für die Bunk-Orgel der Reinoldi-Kirche gelten. mehr