Journal für Orgel, Musica Sacra und Kirche

                                                                                                     

                                                                                                 

Hauptwerk - eine Orgelübe-Software für daheim                                                    

Im Sinne des "verba docent, exempla trahunt" seien hier die Audio-Dateien vieler Organisten vorgestellt, der mit seinem Spiel an einer Hauptwerk-Orgel nachweist, zu welcher Klangreproduktion dieser Pfeifenorgel-Spezialsampler in der Lage ist.                                                                                                                              Aussagekräftige MP3-Dateien sind unter HW-Hörbeispiele zu hören. Diese klangliche Qualität, die ein Hauptwerk-Organist zuhause produzieren und hören kann, ist beachtlich.   

Martin Dyde, der Initiator und Entwickler dieser Software, realisierte seit 2001 die Idee, komplette reale Orgeln incl. Kirchenraumklang zuhause via PC, MIDI-Spieltisch und Boxen digital abgebildet spielen zu können. 

Es ist eine bekannte Idee, das Instrument Orgel zu digitalisieren. Doch der sehr bedeutsame Unterschied steckt im Detail. Digitalorgeln verfügen in der Regel nicht über das sog. Einzeltonsampling, also das bestmögliche digitale Abbild eines jeden einzelnen Pfeifentones. Einzeltonsampling ist - wenn überhaupt - nur zu einem sehr hohen Preis vorzufinden. Digitalorgeln mischen grundsätzlich die Samples verschiedener Orgel in recht stark nachbearbeiteter Form und geben sie ohne den ursprünglichen Raumklang wieder. Zudem besteht bei Digitalorgeln der systemische Nachteil, grundsätzlich weder über eine Update- noch über eine Upgrademöglichkeit zu verfügen.

Erfahrungsbericht eines überzeugten Digitalorgelbesitzers:  

"Völlig ungeplant war es heute so weit: Geigenprinzipal (ein anderer Forennutzer; Anm. d. Red.) brachte seinen PC und das nötige Kabelzeug zu mir und wir schlossen den Computer an meine ... (neue Digitalorgel; Anm. d. Red.) an; die obligate MIDI-Verbindung und ein Kabel von der Soundkarte zum AUX IN meiner Orgel — und schon konnte es losgehen. Sodann starteten wir Hauptwerk (in der Free Edition) und luden einige kleinere Samplesets.

Leute, das Set "Smecno" (eine Kleinorgel von nur 13 Registern, davon alle spielbar außer die des Rückpositivs) hat mich wahrhaft überwältigt! So muss Orgel klingen! Ein satter Prinzipalchor, neben der Mixtur noch eine Cimbale: Herrlich! Schöne Flöten, eine wunderbar herbe Quintade in 4'-Lage, 3 kräftige Bassregister ... Und wer immer noch meint, dass der mitgesampelte Hall bedeutungslos ist: Nein! Der bereichert den Klang unglaublich. Das leistet kein Digitalhall, der in den Digitalorgeln der Mittelklasse verbaut wird. (Mit Faltungshall sieht die Sache schon anders aus ...)

Zum Kontrastieren habe ich dieselbe Registrierung immer wieder zwischen HW-Set und Digitalorgel verglichen; es lagen Welten dazwischen. Meine ... (neue Digitalorgel; Anm. d. Red.), die ich sonst so sehr schätze, wollte mir plötzlich gar nicht mehr gefallen. Nota bene: Die Abstrahlung erfolgte einzig und allein über die orgelinternen Lautsprecher. Das ist mehr als ausreichend und klang entgegen manchem Posting hier im Forum sehr, sehr gut. Tja — und abermals drängt sich mir die Frage auf: Bin ich mit meinem Klangempfinden so allein? Oder warum bauen die Digitalorgelhersteller nicht ebensolche Samples in ihre Instrumente ein...? Und was ist es im Einzelnen, was den Klang dieses so kleinen Sets so schön macht?"  mehr

 

Martin Dyde ging seit 2001 wesentliche Schritte weiter:     

1. Jeder(!) Pfeifenklang soll in höchster Qualität aufgenommen werden.  

2. Orgeln sollen incl. Raumklang als Unikat "akustisch photographiert" werden können.     

3. Jeder User soll die auswechselbaren Module einer Installation jeweils gut austauschen und somit updaten können.  

Somit besteht jede Hauptwerk-Orgel aus den Modulen Software, in der Anzahl unbegrenzten Orgelsets, PC, Spieltisch und Abstrahlung. Alle Elemente des modularen Systems können im Laufe der Zeit je nach Bedarf einen Austausch erfahren. 

Die Anwendungsbreite reicht vom einfachen Experimentieren mit der Software bis zum Erwerb eines kompletten "schlüsselfertigen" und/oder ferngewarteten Gesamtsystems bei einem Händler.                                                                                                                                                     Vorteile der Hauptwerk-Nutzung   

Nachteile der Hauptwerk-Nutzung           

Instrumente resp. Orgel- oder Samplesets       

Perspektiven der Orgel-Software Hauptwerk 2011                                                                                                                                                                                                                                                        
Es hat im Verlauf der "Hauptwerk-Geschichte" stets mehrere Nutzerfraktionen gegeben. Die Extreme liegen sicherlich einerseits in der behaupteten Dokumentation einer Orgel wissenschaftlichen Charakters und andererseits in der Nutzung trockener Samples plus Verhallung oder gar des Gebrauches eines Quasi-Physical-Modeling à la Oberwerk. Nicht unerwähnt bleiben sollte die Möglichkeit eines ohnehin möglichen "Custom Organ Design Module (CODM)".  

Martin Dyde ist es insbesondere mit der Version Hauptwerk 2, der Zusammenarbeit mit Orgelset-Herstellern und der nunmehr erschwinglichen hohen PC-Power gelungen, eine Abbildungsqualität zu erreichen, die es oft unmöglich erscheinen lässt, bei hochwertigen Samplesets zwischen einer CD- und einer Hauptwerk-Aufnahme unterscheiden zu können.

Eine weitere in der Abbildung bedeutsame Qualitätssteigerung erreichten die Orgelset-Hersteller - allen voran Prof. em. Helmut Maier -, indem sie mehrere Multiple-Release-Samples pro Anschlagart aufnahmen (legato, portato und staccato) und zum Standard machten. Gute Samplesets sind ohne diese Multi-Releases nicht mehr vorstellbar. 

Helmut Maier von OrganART Media und Jiri Zurek von Sonusparadisi bilden in ihren Sets mitunter auch unterschiedliche Anschlagsarten der Pfeifenansprache (sog. multiple attack samples) bei relevanten Registern ab. Mehr und mehr setzen sich auch gesamplete Tremulantenklänge durch, die die suboptimale Beeinflussung durch das Physical Modeling ersetzen.       
                                                                                                                               
Im September 2008 veräußerte Martin Dyde die Software Hauptwerk (ehemals Crumhorn Labs) an den amerikanischen "musician and sound engineer"  Brett Milan. So wurde Hauptwerk ein Produkt der amerikanischen Firma Milan Digital Audio. Dyde ist dort der offensichtlich gewinnbeteiligte technische Chefentwickler und somit nicht mehr allein für den zeitlich belastenden Support zuständig. Brett Milan beschäftigt sich u.a. auch mit der Erstellung von Orgelsets.      

                                                                                                                                                                                                                                 

                                                                                                                               

zurück

zurück zu Hausorgel