Journal für Orgel, Musica Sacra und Kirche                                    

                                                                                                                         

                                                                                                     Die Organistensoftware Hauptwerk in 2010/11                            

Der weitere Update-/Upgrade-Plan für 2010/11 trägt die Früchte der bislang immer wieder vorgebrachten Userwünsche:

Die voraussichtlich im 3. Quartal erscheinende Version Hauptwerk 4 soll eine gänzlich neue Bedienungsoberfläche und vor allem eine merkliche MIDI-Vereinfachung auf intuitivem Niveau erhalten. MIDI-Recording und -Playback (ohne Editing) wird dem Vernehmen nach ebenso dabei sein wie eine neue Gratis-Orgel, die die bislang mitgelieferte und audiotechnisch doch sehr in die Jahre gekommene victorianische Brindley-Foster-Orgel (St. Anne's - Moseley - Birmingham - UK) ablösen wird.    

Die Version 4.1 wird insbesondere "high-performance convolution" (m.a.W. guten künstlichen Hall) bereitstellen.   

Ergänzungen auf der Journalseite 11-2009   
     

Aktuelle englischsprachige Infos zu HW4 im Herstellerforum (mit Screenshots)         

                                                                                                                 Neues unabhängiges Forum mit Hauptwerk-Rubrik

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Ein paar Gedanken ...                                          

1. Es ist falsch, von Hauptwerk allein zu sprechen. Es muss stets der Zusammenhang mit den verfügbaren Samplesets gesehen werden: Hauptwerk = HW + Samplesets. Hauptwerk steht und fällt bei professionellem Anspruch mit qualitativ anspruchsvollen Sets von LavenderAUDIO.co.uk und insbesondere OrganARTMedia.com. Das ist zu wenig. Offensichtlich ist das Geschäft mit den Samplesets ein äußerst aufwändiges. Es mutet seltsam an, dass sich der Eigner der Software mit dem Erstellen von Sets nach wie vor etwas schwer tut. "Salisbury" enttäuscht leider etwas, wenn man genauer hinhört.  

2. Hauptwerk braucht mehr "normale Charakterorgeln" (mit erweiterten Manualumfängen oder recht direkten Aufnahmepositionen). Hier scheinen sich die Erwartungen an einen Sampler wie Hauptwerk und die mitunter zieldifferente "Klangdokumentation" historischer Orgeln wenig oder auch nur in Maßen anzunähern. Die bislang vorgelegten Sets zeitgenössischer Orgeln konnten demgegenüber höheren Ansprüchen mitnichten genügen: ein eindeutiges Defizit. Ein wahrhafter Hoffnungsschimmer mag das Set der Velesovo organ von Sonusparadisi.com sein.

3. Weitere pure Barockorgel-Sets wirken völlig überflüssig. Warum muss es aber auch immer eine besondere historische Orgel sein? Hier ist betriebswirtschaftliches Denken gefragt. Bislang nicht gesamplete Orgeltypen (z.B. Orgeln der "Übergangszeit", wie z.B. eine Klais-Orgel der 30er-Jahre oder neue Orgeln mit einem nachhaltigen Touch Individualität) könnten eine Innovation darstellen. Insofern verweisen die Binns-Orgel von Lavender AUDIO oder die Sets von Pipeloops.com (Baumhoer und - gegen Ende 2010 - Führer) in eine konstruktive Richtung. Es fehlen gut gearbeitete Sets "normaler", d.h. zeitgenössischer mittelgroßer Orgeln mit Charakter.  

4. Gute Hauptwerk-Sets müssen günstiger werden, wenn mehr Nutzer gewonnen werden sollen. Hauptwerk braucht günstige und zugleich hochqualitative Einsteiger-Sets. Mit anderen Worten: Der Upgrade-Preissprung von (dem immer noch verfügbaren) MyOrgan etc. zu HW 3 darf nicht so groß sein. Der von Martin Dyde zugesagte Weg "mehr User, billigere Sets" entlarvt sich spätestens durch Brett Milans neueste Preisvorstellungen als Marketing-Schutzbehauptung.  mehr    

5. Hauptwerk-Nutzer sollten sich vermehrt Gedanken um eine adäquate Abstrahlung machen und experimentieren. Bloße Front-Beschallung aus nächster Nähe reicht auf Dauer nicht aus, da sie eine Einbettung in den Klang nicht befriedigend ermöglicht. Die sehr speicherhungrige Surround-Technik zeigt die richtige Richtung auf, weicht dieser Notwendigkeit des Experimentierens jedoch sehr verfrüht aus. Eine Kombination aus Nahfeldmonitoren und Rundstrahlern liegt vermutlich bei eher trockenen Sets in einer bislang noch sehr wenig multiplizierten Denkrichtung. Der Kopfhörerbetrieb scheidet für viele Nutzer aus verschiedenen Gründen per se aus.  mehr unter HW-Praxisaspekte 3-7  

6. Im Gegensatz zu immer größeren Orgelsets sollte die mehr und mehr erschwinglichere PC-Power incl. RAM-Größen genutzt werden, um mit besserer Latenz und auch hinreichend gut aufeinander abgestimmten Releases spielen zu können. Der Latenzwert bestimmt sich bekanntermaßen aus dem Zusammenspiel von MIDI-Signalweg/Computer-Hardware/Audio-Hardware/Audio-Treiber. Die empfohlene Buffer-Größe von 1024 ist indiskutabel und unprofessionell. Das teilweise in der Szene geforderte Samplen von großen "heroischen" Orgeln lädt zum Schmunzeln ein - insbesondere angesichts peinlicher Realisationen.    

7. Es ist sinnfrei, um die Anerkennung durch eine vermeintlich etablierte Organistenszene in beflissener Weise zu ringen und devot um Beachtung in diesbzüglichen Internetforen zu flehen. Es scheint auch kaum notwendig zu sein, eine wie auch immer definierte Wissenschaftlichkeit zu insinuieren oder sich gar als "Glaubensgemeinschaft der Insider" ideologisierend und prätentiös zu verhalten. Das Übeprogramm Hauptwerk ist in seiner Leistungsfähigkeit erstaunlich gut und spricht so für sich. Hier wäre ein gerüttelt Maß an Selbstvertrauen gefragt, da HW letztlich nichts anderes darstellt als ein hochwertig-interaktives Orgelmedium mit Respekt vor dem Original der realen Pfeifenorgel.  

8. Kommerziell betrachtet ist die Übungsgelegenheit Hauptwerk weniger etwas für zunehmend unterbezahlte Kirchenmusiker (oft mit einer realen Orgel in nächster Nähe) oder gar Musikstudenten. Hauptwerk scheint eher auf Orgelliebhaber oder anderweitig finanziell gut abgesicherte nebenamtliche Organisten zugeschnitten zu sein, die sich den Luxus häuslichen Übens bei vielfältigen Klangeindrücken leisten können.        

9. MyOrgan existiert in der alten Form nicht mehr und verweist mit seiner Adresse auf Hauptwerk.com. Laut Martin Dyde übernahm im Frühjahr 2006 der US-Amerikaner Kirk Meyer wesentliche Bestandteile ("95%") der Programmvariante Hauptwerk 1 zur Entwicklung von MyOrgan (mit freiem Source-Code). Diese Aussage ist umstritten, jedoch grundsätzlich nachvollziehbar. Es sei angemerkt, dass MyOrgan gegenüber HW1 erstaunliche Vorteile in puncto Latenz und Midi-Konfiguration bietet. Klanglich ist es jedoch mit HW3 in keinem Falle mehr zu vergleichen. Dass MyOrgan dem Vernehmen nach unter dem Namen Praelude und nunmehr GrandOrgue weiterentwickelt werden sollte, war vielleicht für manchen pekuniär nicht ganz so potenten Einsteiger ein Trost. So sind jedoch die ursprünglichen Seiten mittlerweile nicht mehr aufrufbar und angesichts einer nachhaltigen Copyright-Diskussion auf eine ungarische Domain ausgewichen. Marktwirtschaftlich ist es für den Betrieb Hauptwerk sicherlich eine Crux, dass allein seit Juni 2009 GrandOrgue überdurchschnittlich viele Downloads erfuhr. Seriös wirken die weiteren Wege von GrandOrgue leider nicht. Die nunmehr verfügbare Free Edition von Hauptwerk mag aufzeigen, wie doch die Konkurrenz durch MyOrgan & Co. schmerzte.  (mpk)             

                                                                                                                                                                                                                                                       

                                                                                                                               

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