Journal für Orgel, Musica Sacra und Kirche                         

                                                                                                                                          

                                                                         

 

 

Newsticker: Digitalorgel, GrandOrgue & Hauptwerk - Unabhängige Nachrichten aus der digitalen Orgelszene - hier klicken! 

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Anlässlich der unangekündigten anwaltlichen Abmahnung (911,80 Euro) durch OrganArt Media (Prof. em. Dipl.-Ing. Helmut Maier) wurden hier 28 verbraucherorientierte Seiten zur Software Hauptwerk und deren Samplesets gelöscht, um weitere Abmahnungen zu vermeiden.            

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GrandOrgue - die kostenfreie Alternative ohne Dongle und Verschlüsselung                                                        

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Die Computer-Orgelsimulation     "Hauptwerk" im Spannungsfeld von Projektion und Profit       
                                                                           Eine Hauptwerk-Orgel braucht man im Himmel nicht und in der Hölle spielt ohnehin niemand  

Subjektive Betrachtungen zu einer anglo-amerikanischen Software im Nischenmarkt der sogenannten Orgelliebhaber unter besonderer Berücksichtigung musiksoziologischer Aspekte

1.   Hic Rhodus, hic salta …
2.   Szenenwechsel: Abmahnung durch OrganArt Media als Eigentor?
3.   Was wäre Hauptwerk ohne instrumentalisierte Enthusiasten?
4.   Jetzt einmal grundsätzlich: Gibt es eine Hauptwerk-Mentalität?
5.   Als Hauptwerk einst verkauft wurde ...
6.   Der Klick-Faktor: Die Hauptwerk-Denunziation und die ...                                 7.   Geschlossene Hauptwerk-Gesellschaft?
8.   Ideologisches Identifikationsterrain mit religiös-mystischen Topoi?                       9.   Religionsphänomenologisches und Salutogenese
10. Sancta Simplicitas & Co.  
11. Drei Thesen zur Frage: „Akustischer Photoshop“ als falsches Medium?           
12. Die Dilemmata der ausgeliehenen Klänge und die Illusion gestrenger Lizenzen
13. Hauptwerk-AGB-Satire à la „Und das war's dann halt“?
14. Zurück zur OrganArt Media-Abmahnung: Sturm im Wasserglas?  

"Die "virtuelle Orgel" ist ein Werbeslogan ohne physische Entsprechung, ... um das Idealbild einer Orgel (im Sinne Platons), das Menschen in sich tragen, zu evozieren."                                                                                                              (Peter Donhauser/Technisches Museum Wien - zitiert nach einem Bericht zur Tagung der Vereinigung der Orgelsachverständigen Deutschlands (VOD) 2013)

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Wo ist Martin Dyde?     

"Ich frage mich deshalb ernsthaft, ob diese plötzlich heftigen Forderungen nach Verschlüsselung der SP Sets nicht eher darauf zurückzuführen sind, dass gewisse Kreise die drohende Konkurrenz von GrandOrgue gegenüber Hauptwerk fürchten und seit Einführung der Krzeszow ODF verhindern wollen, dass für GrandOrgue weiterhin solch professionelle Samplesets verfügbar sind. (...) Offenbar sind Hauptwerk-User gerne dazu bereit, alle erdenklichen Einschränkungen freiwillig applaudierend in Kauf zu nehmen. Erstaunlich, wie hier ein winziges Unternehmen wie MDA/Hauptwerk seine Kundschaft fest im Griff hat. Den wenigsten Usern wird wohl bewusst sein, wie klein diese Firma eigentlich ist.

Meines Erachtens besteht die Fa. Milan Digital Audio nur aus Brett Milan selbst - ich sehe keinerlei Hinweise auf weitere feste Mitarbeiter. Außer einem Firmenschild an einem Bürogebäude mit X Briefkästen anderer Firmen ist subjektiv betrachtet nichts weiter vorhanden. Ich bin mir nicht mal sehr sicher, ob Martin Dyde, der ursprüngliche Entwickler von Hauptwerk, mittlerweile überhaupt noch irgendetwas mit der Software ..."  mehr  

1. Hic Rhodus, hic salta …

"Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Muthes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Muth, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung." Immanuel Kant (1784)

Lange Zeit hatte ich gezögert, die folgenden Zeilen, die aus gutem Grunde in der Ich-Form geschrieben sind, zu veröffentlichen. Ich weiß: Der Hauptwerk-Eiferer wird sich überfordert bis absolut brüskiert fühlen, der Hauptwerk-Skeptiker hingegen vielleicht bestätigt. In allem soll jedoch derjenige angesprochen sein, der seinen Verstand und zugleich die Software (egal ob MyOrgan, GrandOrgue oder Hauptwerk) nüchtern und nicht als Distinktionsschild benutzen mag. Es ist jedem Lesenden nicht nur unbenommen, sondern auch ausdrücklich zu wünschen, sich ein jeweils eigenes kognitives Konstrukt zum Thema zu erarbeiten. Eines soll deutlich werden: Ich nehme Hauptwerk & Co. beim Wort! 

Der letzte Auslöser für diese Veröffentlichung war für mich die umfängliche Diskussion über drei wohl strittige Hauptwerk-Samplings auf diversen Internet-Plattformen. Die Samplings sollen angeblich mit Unregelmäßigkeiten vorgenommen worden sein. In einem Fall hat sich offenbar eine Kirchengemeinde an die Öffentlichkeit gewandt. 

Achtung: Im Web wird mit Bildern der Cappel - Arp-Schnitger-Orgel für den Kauf einer Software / Sampleset zum Herunterladen geworben. Diese Tonaufnahmen entsprechen nicht dem Klangbild der Arp-Schnitger-Orgel Cappel. Wir distanzieren uns von diesen Anbietern! Warning: The web is with pictures of Cappel - Arp-Schnitger organ advertised for the purchase of a software / sample set for download. These recordings do not match the sound of the Arp-Schnitger organ Cappel. We distance ourselves from these sellers!”  (http://www.arp-schnitger-orgel-cappel.de - Aufruf 26.01.2013)

Meldungen dieser Art überprüfe ich grundsätzlich, deswegen habe ich in Cappel angerufen. Die mitgeteilten Informationen waren für mich als Hauptwerk-Nutzer in der Tat höchst irritierend. Die Cappeler Vorwürfe beziehen sich offensichtlich auf das Jahr 2003 und einen sehr bekannten und nunmehr für Hauptwerk maßgeblichen US-amerikanischen Sampleset-Hersteller. Unter anderem konnte ich hören, dass seitens der Gemeinde niemals eine offizielle Erlaubnis zu einem Sampling der Cappeler Schnitger-Orgel vorgelegen habe. Erst sehr viel später sei man durch Dritte auf die kommerzielle Produktion eines Samplesets aufmerksam gemacht worden. Ein im Marktfeld Hauptwerk Handelnder mutmaßte aufgrund besonderer Set-Details, dass das Sampling wahrscheinlich in Eile vollzogen worden sein dürfte. Dem Vernehmen nach hat die Kirchengemeinde Cappel einen Anwalt beauftragt.     

Wie dem auch sei, in dieser Angelegenheit liegt eine gewisse Brisanz, was sich auch in genannten Diskussionen deutlich zeigte. Einzelne Hauptwerk-User zeigten sich sehr betroffen. Insgesamt reichten die Reaktionen in einem der Foren jedoch von äußerst enttäuscht über mental schlicht bis heftig ausfallend, was freilich nichts Neues war. Viele Hauptwerk-Werbemetaphern wurden in apologetischer Form reflexionserleichtert wiederholt, sinngemäß à la "Mensch, die können doch in Cappel froh sein, dass ihre Orgel mit Hauptwerk dokumentiert wurde und jetzt bekannter wird".

Indes weiß man wohl in Hauptwerkkreisen diese Informationen über die Cappeler Causa zielführend zu tabuisieren. Es verwundert mich heute nicht mehr, dass sich Hauptwerk-User nicht so sehr über zensierte Postings bzw. gelöschte Links ärgern, wenn es der gefühlte "Chefe" (O-Ton) denn so entschieden hat.

Ein Konzertorganist, der auch als prominenter Demo-Einspieler für einen sehr erfolgreichen kommerziellen Hauptwerk-Sethersteller bekannt wurde, meinte gar, nachdem ich mich in die Diskussion auf einer der Plattformen einbrachte und systemische Zusammenhänge aufzuzeigen versuchte, mir „grenzenlose Verliebtbeit in die eigenen Gedanken“ mit „einem kleinen Schuss blankem Hass als Beigabe“ unterstellen zu müssen. Ich nehme ihm diese blasse Invektive nun wirklich nicht übel, sie mag ihm gegebenfalls im Nachhinein selbst peinlich sein, da sie auch ohne irgendeine sachliche Argumentation als Erwiderung vorgetragen wurde. Einlassungen dieser Art demonstrieren gleichwohl vorzüglich, wie sehr doch analysierende Betrachtungen zu den Begleiterscheinungen von Hauptwerk bislang fehlten. Sie stellen eine Alternative abseits des Hauptwerk-Gruppendrucks dar, der auch sicherlich eine pekuniäre Facette besitzt. Insofern stellen die Umstände der Nutzung dieses Orgelsoftwaresamplers musiksoziologisch betrachtet ein durchaus interessantes Phänomen im Bonsai-Format dar.

Für viele Nutzer ist es schlichtweg nicht auszuhalten, dass jemand wie ich für Hauptwerk viel Geld ausgegeben hat, die neueste Vollversion des Programms besitzt, damit Orgel spielt und dennoch Kritik übt. Man betrachtet es als eine Art Fahnenflucht. Diese Weltdeutung ist m.E. eine weithin verbreitete Form der kommerziellen Gruppendynamik bei erhöhter Identifikationserwartung à la Apple-Mac, Tupperware oder Thermofix.

Ich persönlich habe gelernt: Ein finanziell verwertbar anständiger Hauptwerk-Lizenzinhaber jubelt - oder er schweigt. Zahlen muss er ohnehin. Viele Hauptwerk-Anhänger haben es nicht so sehr mit Kritik, um es einmal etwas umgangssprachlich auszudrücken; wir werden uns die Gründe im weiteren Verlauf noch etwas genauer ansehen. Ein Außenstehender äußerte dazu diese Worte: „Ich stelle nur fest, dass Kritik an Hauptwerk nicht diskutiert, sondern dementiert wird“.

2. Szenenwechsel: Abmahnung durch OrganArt Media als Eigentor?  

Kommen wir nun zu einem weiteren und auch ganz anderen Hauptwerk-Kapitel, das sich in aller Simplizität des Ablaufs schnell skizzieren lässt: Anlässlich der anwaltlichen Abmahnung durch OrganArt Media resp. Herrn Prof. em. Maier (ohne vorherige Kontaktaufnahme/Kosten: 911,80 € bei einem behaupteten kommerziellen Gegenstandswert von 25.000 € wegen einer Textpassage zu einem einzelnen OrganArt Media-Sampleset) wurden hier im Frühjahr 2012 von mir - der ich mehrfach OrganArt Media-Kunde war - insgesamt 28 unabhängige und verbraucherorientierte Journal-Seiten zum Softwaresampler Hauptwerk und dessen Sampleset-Software gelöscht, um mögliche weitere Abmahnungen durch OrganArt Media o.a. zu vermeiden. 

Die Verfahrensweise wirkte auf mich routiniert und zugleich arg unverhältnismäßig. Man hätte die Angelegenheit gewiss persönlich, einvernehmlich und zeitnah regeln können, aber das war meinem Eindruck zufolge nicht das Ziel von OrganArt Media. Zu einer Schlichtung schien OrganArt Media auch nicht bereit zu sein, obwohl ich die monierte Textstelle bereits ohne Anerkennung einer Rechtspflicht gelöscht hatte.

Zur Vermeidung langwieriger rechtlicher Auseinandersetzungen mit OrganArt Media habe ich mich dann auch unter Vernachlässigung von Zweifeln meiner Ratio (die im Nachhinein durch meinen persönlichen Eindruck weiterer inhaltlicher Fragestellungen größer wurden) entschlossen, die strafbewehrte Unterlassungserklärung in einer m.E. von mir sehr modifizierten Form zu unterzeichnen, eine kurzgefasste Richtigstellung in meinen Hauptwerk-News zu veröffentlichen und die 911,80 € an den Anwalt von OrganArt Media zu zahlen.      

Im Gegensatz zu den Kosten für den Kauf von Hauptwerk-Sets, die man auch aufgrund ihrer Marktneuheit erstehen zu müssen glaubt, obwohl sie im Nachhinein betrachtet meist ein weithin ungenutztes Dasein auf den Festplatten verbringen, mag diese Summe der OrganArt Media-Abmahnung gering erscheinen. Wir werden im weiteren Verlauf dieser Betrachtungen sehen, dass dieses Geschehen doch erstaunlicherweise eine besondere Wendung erhalten sollte.                                    

zum weiteren Hauptwerk-Text (Teil 1) hier klicken!                                                                   
3.   Was wäre Hauptwerk ohne instrumentalisierte Enthusiasten?
4.   Jetzt einmal grundsätzlich: Gibt es eine Hauptwerk-Mentalität?
5.   Als Hauptwerk einst verkauft wurde ...
6.   Der Klick-Faktor: Die Hauptwerk-Denunziation und die ...                                7.   Geschlossene Hauptwerk-Gesellschaft?

Teil 2 des Hauptwerk-Textes                                                                                       
8.   Ideologisches Identifikationsterrain mit religiös-mystischen Topoi?                       9.   Religionsphänomenologisches und Salutogenese
10. Sancta Simplicitas & Co.  
11. Drei Thesen zur Frage: „Akustischer Photoshop“ als völlig falsches Medium?   
12. Die Dilemmata der ausgeliehenen Klänge und die Illusion gestrenger Lizenzen
13. Hauptwerk-AGB-Satire à la „Und das war's dann halt“?
14. Zurück zur OrganArt Media-Abmahnung: Sturm im Wasserglas?  
                                                          

                                                                                                                                    

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