Journal für Orgel, Musica Sacra und Kirche

                                                                                                                                                                                                                                        

                                                                                                   Ein besonderes Sampleset namens Haverhill                                                                                                                                                                                                                                                                                                                           

                                                                                                                                                                                                               Endlich ist ein Set auf dem Markt, das sehr vielen Ansprüchen gerecht wird. Hier fallen vielseitige Verwendbarkeit bei gleichzeitig deutlicher Individualität und ein hoher technischer Standard mit einem Preissegment zusammen, das einfach nur erstaunt: 40 Register für 225 Euro. Das nunmehr vorliegende erweiterte Set ("extended") umfasst 58 Register und kostet 295 €.  mehr

Wahrscheinlich rechnet es sich jedoch zu Gunsten der Hauptwerk-User auch betriebswirtschaftlich, da in der Summe mehr Umsatz gemacht wird. Mittlerweile hat dieses Set eine recht große Verbreitung gefunden.  

LavenderAUDIO.co.uk: Binns organ/Haverhill OIC 

"... I can easily see this becoming my standard practice organ. It is big enough and varied enough to play almost anything on. A good English organ with obvious roots in the best traditions of European organ building. ... And yes - the Trumpet en Chamade is strangely irresistible!!" (Iain McGlinchey/02.12.2008

Das bescheidene und zurückhaltende Auftreten David Butchers innerhalb der Hauptwerkszene passt in dieses Bild. Als BBC-Radio-Engineer und Kirchenmusiker (die Demos auf seinen Seiten sind von ihm höchstpersönlich eingespielt worden) hat er offensichtlich ein außerordentliches Geschick an den Tag gelegt. Vergleicht man seine ersten - bereits recht guten - Sets mit Haverhill, so ist ein beachtlicher Fortschritt festzustellen.                                                                                                                       
Um ehrlich zu sein: Nach der Installation des Sets war die Überraschung über die Qualität groß, zumal das Evaluation-Set das Full-Set gar nicht ins rechte Licht zu rücken vermag. So außerordentlich gut kann man sich das Set auch nach eingehendem Überprüfen der Demos und des Probe-Sets kaum vorstellen. 

Ranking

I've had the opportunity to converse with the organist of an Home Concert (Jörg Glebe/Bochum/Germany): Hans-Dieter Karras. He is a reviewer too - very well-known by digital organ players and Hauptwerkians in Germany.

We talked about the Haverhill set and a ranking of sample sets: Karras classed "the Haverhill" strongly(!) on the top of this ranking. He was fascinated by this organ set. Really: He becomes very enthusiastic.

(By the way: Here are some free reviews (of the journal "okey") from Mr. Karras  -> http://www.sakralorgelwelt.de/weitereinformationen/downloads/index.html )

Binns-Orgel der Old Independent Church zu Haverhill/Suffolk

Die dem Sampling zugrundeliegende Binns-Orgel ist ein Werk aus der Blütezeit der späten englischen Romantik. Der renommierte Orgelbauer James Jepson Binns lässt hier insbesondere bei den Prinzipalen deutsche Einflüsse vernehmen. Mit ihren breit gestreuten 40 Registern stellt das Instrument einen großen Darstellungsfundus bereit. Dabei fällt neben dem sehr weitem Frequenzambitus das reichlich bestückte und heroisch klingende Schwellwerk (mit Sonderkoppeln) ebenso auf wie die zart intonierten Choir-Register.

An organ with late 19th century UK hall acoustics

"Binns had a reputation for solid workmanship, earning him the nickname “Battleship Binns”. His work was influenced by the German schooland especially by Edmund Schulze upon whom he modelled his diapason choruses."

Open Diapason 8' and Viola 8' (Great) 


"The English romantic organ was at its height in the late 19th and early 20th centuries. The trend had been to move away from the classically conceived organs of the 18th and early 19th centuries to organs which employed increasing wind pressures and a greater variety of flue and reed colours using newly designed pipework. The organ was increasingly being seen as an orchestra as imitative stops became more realistic and the fashion of the day was for an overall smooth and round tone. ..."  mehr

Technische Aspekte des Sets     

  • 2 - 4 multiple releases (reverb up to circa 2 seconds)
  • 48kHz and a resolution of 24 bits  
  • 10 reeds (6 in swells/1 Trumpet en Chamade)
  • two swells
  • three manuals - full compass up to c'''' (important for octave couplers and exercise)
  • possible: Windows XP 32 bit system with 3GB RAM (volle Orgel mit 2830 MB bei  lossless compression und 16-Bit-Format) 

"Multiple releases were recorded, which add greatly to the realism of the sample set. All pipes have a release recorded for both staccato and sustained notes and a third set of releases were recorded for the Swell chorus reeds (not Oboe) and for all Great and Pedal stops (including the Trumpet en Chamade). These releases are for notes held for a duration between staccato and sustained (portato - typically 200 to 500 mS, depending on pitch). Some of the pedal notes have a total of 4 releases."

Das Set besticht durch eine Ausgewogenheit zwischen Nähe und Distanz. Einerseits ist der Spieler nah dran, andererseits verliert er nicht den komplexen Höreindruck des gesamten Raumklanges. Die Releases sind insbesondere im Bereich der Zungenregister sehr gut aufeinander abgestimmt. Gewiss hätte man sich an der einen oder anderen Stelle der labialen Swell- oder Choirregister dritte Releases vorstellen können. David Butcher hat dieses sicherlich erwogen: Die insgesamt recht unterschiedliche Verteilung der (zwei bis vier) Releases zeigt auf, dass er hier das beste klangliche Ergebnis bei gebotener RAM-Sparsamkeit bieten wollte. Eine kleine Kritik sei erlaubt: Nicht überzeugen konnten das Register Stop Diapason (wahrscheinlich ist diese Anmerkung sehr subjektiver Natur) und die schnellen Tremulanten bzw. deren Releases. Dieses stellt jedoch lediglich einen kleinen Wermutstropfen dar, der offensichtlich leicht zu verkraften ist, da das Konkurrenzprodukt über keinen Tremulanten verfügt und mehr als das Dreifache kostet.  

                                                                                                                               

In Sachen Rauschfilterung ist das Set vorbildlich und kann sich auch mit hochpreisigen Sets vergleichen lassen. Es erreicht im Test allerdings nicht den konkurrenzlos hohen Denoising-Standard von Sonusparadisi. Dieses dürfte aber im normalen Betrieb nicht auffallen. Demgegenüber erscheint es viel wichtiger, dass das Haverhill-Set hinsichtlich grundsätzlicher Qualität an die überdurchschnittliche Releasemarker-Feinjustierung à la OrganART Media erinnert. Hier wurde von David Butcher wirklich Gutes geleistet.  

"Each sample was sustained for an average of 6 seconds and each has been programmed to have either 3 or 4 loops. Having more than one loop imparts some life to the sound and makes long sustained notes sound more realistic."

Da die die volle Speichergröße mit 24-Bit-Qualität im Nutzer-Handbuch mit ungefähr 8 GB angegeben war, erschien der erste Ladevorgang von besonderem Interesse: Tatsächlich lag der Wert geringfügig über dieser Marke. Er wurde auf 7,6 GB durch folgende Maßnahmen reduziert: Die Register des Choir erhielten mit der "Lossless memory compression" und die Noises mit dem 16-Bit-Format eine geringe Reduzierung, sodass das System noch gut arbeiten kann. Da die Register des Choir ohnehin sehr zurückhaltend intoniert sind, erschien diese Maßnahme, über dessen Wahrnehmbarkeit man sich streiten kann, qualitativ geringfügigster Natur zu sein.  

Ein weiterer Versuch hat Folgendes ergeben: Das Set kann im 2-GB-Betrieb mit allen Releases (Speicherbedarf 1,916 GB bei 16-Bit, Noises bei 14-Bit, Lossless compression und Single loops) genutzt werden. Folgende Samples wurden dabei nicht geladen:

Choir: gesamt, Great: Double Open Diapason 16', Swell: Viole d'Orch. 8', Oboe 8', Pedal: Bass Flute 8' und Fifteenth 4', Tremulanten

Das Choir-Manual wird bei dieser Konfiguration als Chamadenwerk genutzt. Der Office-Betrieb mit XP 32-Bit läuft nebenbei erstaunlicherweise recht problemlos.

Conclusio

  • Das Preis-Leistungsverhältnis ist mehr als aufsehenerregend.
  • Eine historische Orgel wurde in state of the art dokumentiert.
  • Eine praxisorientierte Extended-Version (u.a. mit 32' Pedal-Zunge) wertet das Set nochmals in erheblichem Maße auf.
  • Dieses Set lässt sehr verschiedenartige Orgelwerke darstellen.
  • pppppp --> ffffff - eine beachtliche dynamische Bandbreite!
  • In Zukunft dürften noch einige gute kostengünstige Sets aus   dieser Sampling-Manufaktur zu erwarten sein.                                       

Live recordings  

Mit diesen Aufnahmen mag ohne eigentlichen künstlerischen Anspruch und als Ergänzung zu den bereits vorhandenen Demos der LavenderAUDIO-Seite aufgezeigt werden, dass dieses Set recht vielfältig verwendbar ist. Gewiss soll durch diese zusätzlichen Aufnahmen nicht der Eindruck erweckt werden, dass Haverhill aus dem Stand heraus für alle Stilsorten idealtypisch prädestiniert wäre. Nein, aber darstellbar scheint auf diesem Instrument eine ganze Menge zu sein.

 
zum Download der YouTube-Audiodateien in besserer Audioqualität und weiteren MP3-Demos -> siehe Binns organ Haverhill OIC (virtual demos)    
                                          

                                                                                                                                  

                                                                                                                               

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