Journal für Orgel, Musica Sacra und Kirche
Nachteile der Hauptwerk-Nutzung
Hauptwerk ist grundsätzlich und insbesondere klanglich mehr als empfehlenswert und eigentlich auch alternativlos, wenn man erst einmal damit gespielt hat. Gleichwohl sollte man darüber informiert sein, auf welche Nachteile man sich bei einer Installation einlässt.
- Der PC muss zunächst heraufgefahren und das Orgelset in den Arbeitsspeicher geladen werden. Dieser Vorgang ist zwar durch die äußerst schnellen Ladezeiten seit der Version 3.10 merklichst relativiert (selbst größere Samplesets sind nunmehr ab 30 s zu laden), jedoch sollte diese Wartezeit mitbedacht werden. Ein Ruhemodus ist für den jeweiligen PC nicht per se vorhanden, da die verschiedenen Gerätetreiber manchmal nicht aufeinander abzustimmen sind. Die mögliche Wärmeentwicklung eines PCs im Dauerbetrieb sollte berücksichtigt werden.
- "Hauptwerk 2/3" ist insbesondere in den MIDI-Einstellungen einerseits äußerst(!) flexibel, andererseits auch höchst anspruchsvoll. Dieses empfiehlt dem Newcomer professionelle Beratung (z.B. Sakralorgelwelt.de) oder alternativ einen längeren, mitunter auch sehr anstrengenden Einarbeitungsweg in Kauf zu nehmen.
- Gute Hauptwerksets sind in der Regel recht hochpreisig. (Sie begrenzen zudem den Kreis der User nachhaltig und gefährden letztlich die Existenz von Hauptwerk. Siehe Hauptwerk 2009)
- Sich in der Praxis immer wieder aufdrängende Nachteile ergeben sich durch die zeitgleiche Nutzung von Hauptwerk mit dem Office-Betrieb eines PC. Grundsätzlich ist es anratsam, für Hauptwerk einen separaten PC oder zumindest ein eigenes Betriebssystem zu reservieren. Dadurch können viele Probleme, die ein vielverbreitetes Betriebssystem im Zusammenhang weiterer Nutzung generiert, ausgeschlossen und in dieser Weise ein störungsfreier Hauptwerk-Betrieb gesichert werden. Mit anderen Worten: Nutzt man Hauptwerk exklusiv, so ist die zur Verfügung stehende PC-Power höher und der Betrieb störungsfrei.
- Die Problematik der sogenannten Latenz ist nicht von der Hand zu weisen: Nur mit einer sehr hohen PC-Kraft und einer guten Soundkarte vermag man die Verzögerung zwischen Anschlag und dem Erklingen des Tones auf ein erträgliches Maß zu reduzieren. Die vom Milan Digital Audio empfohlenen 21 ms (buffer size 1024 - hierzu addieren sich in der Regel noch andere Werte) sind für die praxisorientierte Nutzung indiskutabel. Buffer-size-Werte von 256 o. 384 scheinen insgesamt anstrebenswert und befriedigend zu sein.
- Nur verhältnismäßig wenige hochwertige Praxis-Orgeln sind verfügbar: Einem sehr großen Teil der Sets liegen "historische Orgeln" zugrunde. Wenige Sets genügen allerdings höheren Ansprüchen, da u.a. sauber aufeinander abgestimmte und ausreichend vorhandene Multi-Releases mittlerweile einen absoluten Klangstandard darstellen sollten. Manche Sets sind auf Grund des eingeschränkten Manualumfangs oder anderer Besonderheiten des Originals wenig als Praxis-Orgeln nutzbar. Zunehmend scheint man jedoch dieses Problem erkannt zu haben.
- Der definitiv zu großzügig bemessene Raumanteil vieler Sets lässt den Klang der Orgel im Raum zwar gut aus der gewohnten CD-Hör-Perspektive wahrnehmen, ermöglicht jedoch weniger eine adäquate Klangkontrolle, wie man sie als Organist in der Regel am Spieltisch gewohnt ist. Die Sampleset-Hersteller gehen hier unterschiedliche Wege. Ein leichte Tendenz zu nunmehr direkter aufgenommenen Sets ist derzeit feststellbar.