Journal für Orgel, Musica Sacra und Kirche

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                          Hauptwerk-Orgel - konkret vor Ort            

Der Verfasser dieser Seiten spielt und übt in seinen heimischen vier Wänden mittels der von Martin Dyde entwickelten "Hauptwerk"-Software. Der Kauf einer realen Haus-Pfeifenorgel kam aus finanziellen und wohnraumbezogenen Gründen nicht in Betracht. Der Erwerb einer Digitalorgel schied nach vielen Tests aus, zumal auch diese Art von Orgelmodell nach der Bestellung grundsätzlich nicht mehr in substanzieller Weise verändert werden kann. Letztlich enttäuschten insbesondere hochpreisige Digitalorgeln erheblich, und das schlichtweg in klanglicher Hinsicht.   

Der zunächst günstigere Anschaffungspreis einer Hauptwerk-Orgel war über den Klang hinaus ein weiteres gutes Argument: Entscheidend war jedoch der mehr als suggestiv-realistische Sound, der in dieser Form bislang im häuslichen Format unmöglich erschien. Nach drei Jahren Hauptwerk-Praxis kann - bei aller gebotenen kritischen und hier nachlesbaren Hinterfragung mancher Zusammenhänge - diese Form des häuslichen Musizierens unumwunden als ein Stück Lebensqualität betrachtet werden. 

So steht Hauptwerk in der 3. Vollversion zur Verfügung, die mit einem dreimanualigen MIDI-Spieltisch nebst Vollholztastaturen (Fatar TP 64 LW) und 64 Registerwippen (Fa. Hoffrichter/Salzwedel) genutzt wird. Hier ist der sog. Hoffrichter-Block zu sehen, den ich zuvor besaß. Mit von der Partie ist ein Quadcore-PC (Fa. Sakralorgelwelt/Freilassing): Intel Q6600 incl. 8 GB RAM, Soundkarte E-MU 1616m (ohne "zusätzl. Hall"), Betriebssystem Windows XP Prof x64 und 2 x 250-GB S-ATA (7200upm, RAID). Für die Abstrahlung wurden zwei für den Raum mehr als ausreichende 2.1-Monitor-Systeme ausgewählt (Syrincs MS 3-220 mit gutem Preisleistungsverhältnis). Ebenso steht ein hochwertiger Kopfhörer zur Verfügung (AKG K 701) zur Verfügung. Er wird jedoch für das Orgelspiel nur selten genutzt.

Die PC- und Audio-Konfiguration stammte incl. Beratung und weiterer Betreuung von der u.a. auf Hauptwerk spezialisierten Firma SakralorgelWELT (Peter Voitz), die ohne jegliche Einschränkung weiterempfohlen werden kann.          

Zunächst wurde folgende mehrkanalige Klangabstrahlung konfiguriert: Hauptwerk + Pedal/Positiv + Schwellwerk

Weitere Experimente in einem größeren Raum ergaben jedoch, dass durch eine virtuelle Surround-Aufstellung mit Summen-Signal ein besserer räumlicher Klangeindruck vermittelt wird.           

Da das Thema Abstrahlung allzu oft sträflich vernachlässigt wird, seien hier einige wichtige Details genannt: Die zwei Monitorsysteme stehen nunmehr in einem 2m x 2,70m-Rechteck, an dessen kurzer Seite sich der Spieler befindet, und geben jeweils das Summensignal von sich. In der Diagonalen sind die vorderen Lautsprecher jeweils 1,30m vom Organisten entfernt, der diesen etwas oberhalb der Ohrhöhe ausgesetzt ist. Das rückwärtige Monitorsystem (Abstand gut 2m) bringt den Sound nur ein klein wenig reduzierter herüber. Dabei war darauf zu achten, dass das hintere Boxenpaar spiegelverkehrt abstrahlt, um bei der Raumreproduktion die richtige Seite wahrzunehmen. Es ergibt sich im Summensignal ein erstaunliches Klangbett, was bereits getestete "echte" Surroundsets zur Zeit überflüssig erscheinen lässt. Fast wäre dieser Klangvorteil beim "Experiment" (einer wohl besonderen und zugleich auch naheliegenden Art der Hauptwerknutzung) am spürbarsten zu vernehmen gewesen. Das Set der Schnitger/Duurswoude von OrganART Media konnte jedoch in dieser Konstellation den erstaunlichsten Raumeindruck hinterlassen. Kategorie: "Ganz nah dran" oder "Mittendrin". Der akustische Einbettungseffekt - wahrscheinlich im Zusammenhang mit der rückwärtigen Dachschräge - ist erstaunlich: Es kann am Spieltisch nicht oder nur sehr mühsam festgestellt werden, ob der Schall von vorne oder rückwärtig abgestrahlt wird.          

Ein weiterer Schritt wurde mit dem Erwerb eines Rundstrahlersystems der Fa. Reetze/Dransfeld getan.                                                                                                                                                                              Aus dem Forum: "Nun stehen diese Teile der Fa. Reetze in meiner Orgelkammer und ich erfahre körperlich, was "luftig", "ohne stressenden Schalldruck" und "ermüdungsfreies Hören" bedeutet. Die Wiedergabe von Wet-Orgelsets und deren präzise dokumentierte Räumlichkeit ist nicht so "verfälscht", wie ich es befürchtet hatte. Ähnliches gilt auch für die zwangsläufig stärkeren Diffusanteile der Rundstrahler. Insgesamt nehme ich eine große Weite und Durchsichtigkeit des Klanges wahr. Mit dieser Hör-Bereicherung hatte ich nicht gerechnet."  mehr   

 

Siehe hierzu auch die Experimente Hans-Jochen Naumanns unter HW-Praxisaspekte (Hauptwerk und Lautsprecher 1 bis 4).  

Der nunmehr bei SakralorgelWELT.de erhältliche Spieltisch Consolo 372 (mit YouTube-Video) würde heute eine Alternative darstellen. Ein Erfahrungsbericht ist hier zu lesen.                       

Eine weitere und höchst interessante Option zur HW-Ansteuerung scheint - neben der Verwendung einer Digitalorgel mit MIDI - die Möglichkeit darzustellen, einen "echten Spieltisch" zu midifizieren. Günter Pausch (Fa. PAUSCH-e/Schwäb. Gmünd) hat als Orgelbauer und auch Informationselektroniker in einem außerordentlichen Kundenprojekt aufgezeigt, was mit einem historischen Spieltisch in Sachen Hauptwerk zu bewerkstelligen ist.  Details    

Fazit: Die Kosten für eine "Hauptwerk"-Installation mittlerer Güte - wie in oben geschildertem Fall - belaufen sich insgesamt auf eine mindestens fünfstellige Summe. Weitere Einsparmöglichkeiten oder Mehrausgaben sind jedoch immer möglich.                                                                                                                              Der sehr suggestive Klang auf 24-bit-Niveau übertrifft  - bei Verwendung hochwertiger Sets mit mehreren Multi-Release-Ebenen - gute CD-Qualität und wirkt nahezu beängstigend realistisch. Förderlich ist in diesem Zusammenhang, dass die Beschallung eine Einbettung in den Klang ermöglicht.

Der Verfasser empfiehlt professionelle Beratung bei der Erstellung einer "Hauptwerk"-Orgel, da die Module gut aufeinander abgestimmt sein sollten. Das PC-Programm zeigt sich insbesondere auf der Midi-Anwendungsebene in einem Höchstmaße kompatibel und zugleich komplex. Zudem ist Folgendes zu beachten: Hauptwerk verlangt eine recht starke PC-Performance, die jedoch in der letzten Zeit sehr erschwinglich geworden ist.

Um Missverständnissen vorzubeugen, sei Folgendes betont: Die reale Pfeifenorgel ist und bleibt Ziel aller diesbezüglichen Bemühungen. Das Musizieren via "Hauptwerk" folgt diesem Ziel auf pragmatischem Wege.                                                                            

                                                                                                                       

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