Journal für Orgel, Musica Sacra und Kirche                                                                                                                                                                           

Almut Rößler - Düsseldorf trifft Werl

Ein warmherziges Konzert der besonderen Art - das bekommt man nicht alle Tage geboten. Almut Rößler wusste es zu bieten. Einerseits erklang erhabene bis ernste Musik im neoromanischen Raum der Wallfahrtsbasilika zu Werl, andererseits schwang eine gelassene und abgeklärte Fröhlichkeit der Interpretin mit. Freundlich-unaufdringliche Blicke und Grüße ins Publikum erzeugen Stimmung - so ganz nebenbei. Details am Rande machen die Atmosphäre einer Performance aus, die dann lange Zeit im musischen Herzen schwingen kann. Und genau diese Live-Signale sind es, die weder CD noch Video einzufangen vermögen.

Almut Rößler kommunizierte auf verschiedene Art und Weise mit den Besuchern. Ihr vorangestellter Vortrag war eines der Elemente derartiger Verbindlichkeit. Selbstverständlich durfte ein besonderes Eingehen auf Messiaen nicht fehlen. Wenngleich ihre These der Kongenialität der Meister Bach und Messiaen nicht von jedem nachvollzogen werden kann, so lässt sie jedoch einen Denkprozess entstehen, der letzteren Komponisten zumindest in ein helleres Licht versetzt. Zweifelsohne hatte sie Recht mit der Behauptung, dass das "Soli Deo Gloria" vielleicht für Bach noch relativ selbstverständlich gewesen sei, für Messiaen hingegen wohl beachtlich weniger.                                                                                                                           Allein die Ruhe, mit der Almut Rößler nach dem Vortrag den relativ langen Weg vom Ambo bis zum Spieltisch zurücklegte, zeugte von der Erfahrung, im Leben zu wissen, worauf es wirklich ankommt. Hier konnte man auch an diesen Dingen exemplarisch lernen, wie man sich vom Zivilisationslärm erholen kann. Wie hieß noch gleich das Schlagwort: "engagierte Gelassenheit"?

Insbesondere die Bach-Werke zeichneten sich in ihrer Darstellung durch ein betont sensibilisierendes Öffnen und Schließen von Phrasen aus. Jede Einheit wurde zelebriert. Das nahezu - jedenfalls zwischenzeitige - triosonatenmäßige Spiel der großen e-Moll-Fuge kostete alle Teilwerke der Stockmann-Orgel aus.

Rößler weiß dramaturgisch zu inszenieren. Ihr Programm war durchdekliniert und wohl auch deswegen ungewöhnlich zugleich. Wer sich bereits im Vorfeld an den hier und da kritisierten tonalen Käfig des Meisters Messiaen gewöhnt hatte, durfte mit den "Archaischen Variationen" von Jürg Baur etwas recht Neues an musikalischer Farbe kennenlernen. Erst im letzten Messiaen-Werk wurde die Stockmann-Orgel "voll ausgefahren" und konnte so nach sehr vielen detailreichen und ungewöhnlichen Registrierungen umso mehr an Größe und beachtlicher Kraft zeigen.

Dass sich die Interpretin allen Fotografen und Autogrammjägern gegenüber als geduldig erwies, bedarf sicherlich keiner besonderen Erwähnung. Dass sie das jedoch nach dem Konzert auch noch äußerst witzig und charmant am Spieltisch bewältigte, spricht für ihre Gelassenheit. Als zuguterletzt ein Trophäensammler gleich vier CDs und noch ein Plakat signiert haben wollte, sprach sie amüsiert von "wahren Exzessen".                                                                                                        

Jugendliche würden sagen: "Die war echt cool drauf."

Konzertprogramm

Disposition der Stockmann-Orgel 62/IV/P (Wallfahrtsbasilika Werl)                                     

                                                                                                                                                                                                                                                                       

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