Journal für Orgel, Musica Sacra und Kirche

                                                                                                                                                                                                 

 

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Neues Gotteslob - Themenseite 1 - Situationsanalyse             

Ex-Geheimakte "Neues Gotteslob" mit Stolperstart?

Derzeit wird für das millionenschwere Produkt "Neues Gottslob" die bischöfliche Werbetrommel kräftig gerührt. Kein Tag vergeht, an dem nicht in recht plakativer Weise das neue Gebet- und Gesangbuch beworben wird. Nach über zehnjähriger Geheimhaltung mag die offiziellerseits wohl immer noch verbesserungswürdige Produktinformation und Vorbereitungsphase (Stichwort "Monatslied") angesichts dieser Werbung durchaus befremden und als widersprüchlich empfunden werden.   

Wegen der gefühlten Deutungen auf kirchlich-administrativer Ebene, es hätte doch niemals die Gefahr einer möglichen römischen Tilgung der Oosterhuis-Texte- und Lieder im neuen Gotteslob bestanden, scheint es notwendig zu sein, den vielerorts beachteten und auf der Themenseite 2 "Neues Gotteslob, Piusbruderschaft & Huub Oosterhuis" zu lesenden Text allein schon wegen seines dokumentarischen und systemisch-informativen Gehalts weiterhin bestehen bleiben. So sei allen Mitstreitern hiermit herzlich gedankt! Glaubt man verschiedenen seriösen Darstellungen (so u.a. der FAZ), so konnten sich die deutschen Bischöfe in diesem konkreten Fall gegenüber dem vatikanischen Ansinnen, Oosterhuis aus dem Gotteslob zu verbannen, zielführend durchsetzen. Vielleicht erklärt sich so auch die überlange Wartezeit auf die römische Recognitio. Der von Bischof Hofmann geäußerte Satz "Das neue Gotteslob wurde nicht in Rom vorgelegt" irritiert gleichwohl. Er mag an eine gewisse Sophistik erinnern, die aufhorchen lässt. 

"Unter strengster Geheimhaltung ist in den vergangenen Jahren  das neue Gotteslob entstanden" (Bistumszeitung Kirchenbote/18.02.2013)    

Indes geriet die - quasi bis zuletzt - an den Tag gelegte Geheimhaltung des genauen Gotteslob-Inhalts zur Realsatire. Das als "Geheimes Gebet- und Gesangbuch" wahrgenommene Projekt lässt viele Betrachter ratlos zurück. Zudem kann der vorgebliche Diskurs mit der Basis angesichts handverlesener und homöopathisch dosierter Testgemeinden (12/07-05/08) a posteriori eher traurig stimmen. So manchem erscheint das neue Opus wie eine Verordnung "senkrecht von oben" (wenn man mal eine Barthsche Diktion entfremden darf).

Vollständiges und öffentlich zugängliches Inhaltsverzeichnis des neuen Gotteslobs (Erzdiözese Freiburg/lt. Datei vom 02.03.2013)  

zu weiteren Vergleichstabellen Gotteslob alt/neu    

Dem Vernehmen nach sollten ab März 2013 erste Ansichtsexemplare für verantwortliche Priester (lt. einer offiziellen Paderborner Darstellung) in Umlauf kommen. Hier wäre auch anzumerken, dass angesichts der zum überwiegenden Teil nebenamtlichen Kirchenmusiker insbesondere die neuen Orgelbücher dringendst verfügbar gemacht werden sollten, da sehr lange Lernzeiten einzukalkulieren sind. Das vermutliche Warten bis Oktober mutet grotesk an. Hauptberufliche mögen diesen Perspektivwechsel verlernt haben. Apologeten, die jetzt einwenden, dass man doch in einer Übergangszeit die alten Orgelsätze weiterhin benutzen kann, mag man nur bedingt Recht geben: Jedes dritte Lied soll ausgetauscht worden sein.   

Merklich verstolperte Vorbereitungsphase ...    

Die unmittelbare Vorlaufphase des neuen Gotteslobs wirkt etwas unkoordiniert bis durchaus chaotisch. So zeigen sich deutliche Probleme: Das erste sog. Monatslied mit der Nr. 1 "Heilig" von Oliver Sperling ist wohl recht spät und lediglich in der Melodiefassung auf der offiziellen Seite des Deutschen Liturgischen Instituts veröffentlicht worden. Nicht nur auf YouTube kann man folglich mit einer gewissen Fremdscham sehen und hören, wie notwendig die zeitnahe Verbreitung eines profunden und zugleich einfachen Orgelsatzes gewesen wäre. 

Viele Kirchenmusiker und Multiplikatoren, die nun endlich einmal etwas von den Monatsliedern gehört haben, fragen sich, wo denn die weiteren Gesänge mit einer gewissen Vorlaufzeit verfügbar sind: Die offizielle deutsche Liturgie-Seite hilft hier nur bedingt weiter. Das überlange Warten auf das römische Placet oder rechtliche Probleme bei einer Verbreitung via Internet mögen hier nur bedingt als Entschuldigung anerkannt werden, da wohl hinreichend Vorbereitungszeit vorhanden war, um verlässliche Bezugsstellen für die vernehmlich wenig informierten Seelsorgeeinheiten zu benennen. Einige Bistümer haben unterdessen dieses Desiderat erkannt, doch die überdiözesane Koordination fehlt. Das ist sehr bedauernswert, denn immerhin heißt dieses große Projekt "Gemeinsames Gebet- und Gesangbuch". 

Neues Gotteslob 2: Neues Gotteslob, Piusbruderschaft & Huub Oosterhuis 
Neues Gotteslob 3: Meinungen
Neues Gotteslob 4: News & Links
Gotteslob-Material: Links und Infos für die Praxis
Exzerpt des Grundlagenartikels: Kampf der "Orgelbegleitung"
Gotteslob-CDs: Kirchenlieder zum Mitsingen 

Eines scheint man auf der hauptamtlichen Funktionärsebene noch nicht recht verstanden zu haben: Es ist die motivationspsychologisch zu begreifende Stellschraube einer Identifikation der vor Ort Ausführenden mit dem Projekt "Neues Gotteslob", die es in den Gemeinden multiplizieren sollen. Wird man seitens der Verantwortlichen noch die Zielgerade erreichen können oder rechnet man schlichtweg mit einer gewissen preußischen Pflichtmentalität? Das neue Gotteslob besitzt eine ekklesiologische und auch sozialpsychologische Folie.  

Babylonische Liederverwirrung durch Retro-Fassungen? "Natürlich mussten Fehler beseitigt werden, wie etwa die kurzen Auftakte beim Lied Maria, breit den Mantel aus" (Franz Karl Praßl)

Für die möglichen privaten Käufer des neuen Gotteslobs stellt sich hingegen immer noch die Frage: Hat das verordnete Buch einen süddeutsch-österreichischen Retro-Touch (und etwas NGL nebst Taizé zur Beruhigung) oder ist's der große Wurf, der mittels Gesang die spürbaren Lagerbildungen in den Kirchen gar etwas heilen könnte? Der vernehmlich rückwärtsgewandte Impetus des neuen Österreichteils irritiert zumindest (Stichwort Haydn- bzw. Schubert-Messe und dergleichen).     

Eine exemplarische Zwischenfrage sei an dieser Stelle erlaubt: Welcher Teufel hatte die klandestin wirkenden Gotteslob-Spezialisten geritten, untadelige und höchst verbreitete Lieder zu tilgen (so auch offenbar GL 467)? Wenn man angesichts spiritueller Fragestellungen betrachtet, dass beispielsweise das unglaubliche Retro-Schmankerl und Schlesier-Beerdigungslied "Näher, mein Gott zu dir" neben manch anderem nicht mehr vermittelbaren Kitsch Einzug hielt, mag man mit dem Kopf schütteln und einen doch sehr persönlichen Geschmack unterstellen.       

Weitere Fragen drängen sich zudem auf: Was kommt auf uns durch die vorgenommenen Veränderungen von Notenwerten und Texten bei traditionellen Liedern zu? Sollen die mühsamen, u.a. auch ökumenischen(!) Konditionierungen der letzten Jahrzehnte - so z.B. bei "Vom Himmel hoch" - ad absurdum geführt werden? Letztlich haben alle Kirchenmusiker nun den Schwarzen Peter in der Hand, insbesondere diejenigen, die ihre Gemeinden rhythmisch präzise erzogen haben. Beim notenunkunkundigen und folglich verunsicherten Gottesdienstsänger wird leider die Botschaft ankommen: Aha, jetzt dürfen wir wieder so singen wie früher!

Wie so oft bleibt es die Aufgabe der Basis, das Beste aus der Sache zu machen und zu hoffen, das alles gut wird. Der Gedanke einer möglichen Verweigerung scheint bei einem beachtlichen Teil der Betroffenen nach wie vor zu bestehen. Schaun' wir mal und hoffen das Beste.  (mpk)   

   

                                                                                                                        

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