Journal für Orgel, Musica Sacra und Kirche
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Update/Gotteslob-Themenseiten im Schreibprozess!
Neues Gotteslob - Themenseite 1 - Situationsanalyse
Neues Gotteslob, Piusbruderschaft & Huub Oosterhuis ...
Wird es ein zensiertes Gotteslob 2 im römischen Retro-Look geben? Wie konservativ wird das neue Gotteslob sein? Und was hat nun der vatikanische Gotteslob-Kardinal Antonio Cañizares Llovera mit den Piusbrüdern zu tun? Informationen zu einem nahezu geheimen Projekt
"Man verrät kein Geheimnis, wenn man darauf hinweist, dass manche es darauf anlegen, Lieder von Oosterhuis aus dem künftigen neuen Gebets- und Gesangbuch herauszuhalten – aus welchen Gründen auch immer. Käme es dazu, wäre dies sicherlich ein schwerer Verlust an authentischer geistlicher Qualität eines solches Werkes", schrieb Klaus Nientiedt bereits vor Jahren in der Freiburger Bistumszeitung (Konradsblatt 28/2009).
Die weiteren Print-Neuigkeiten zum mit oberster Geheimhaltungsstufe gehandelten Projekt "Neues Gotteslob" bestätigen diese Befürchtungen und haben den offensichtlich zu erwartenden Geist schonungslos enttarnt: Auf Betreiben einiger deutscher Bischöfe werde dieses neue Gebet- und Gesangbuch beispielsweise das vielen Gemeinden vertraute ökumenische Lied "Ich steh' vor dir mit leeren Händen, Herr, fremd wie dein Name sind mir deine Wege" des genannten Dichter-Theologen (GL 621, entstanden 1964; Mel. Bernard Huijbers) nicht mehr enthalten. Aber nicht nur das: Alle Gebete und Lieder(texte) von Oosterhuis würden der mehr oder weniger geschickt eingefädelten römischen Zensur augenscheinlich zum Opfer fallen. Die Bemühungen der genannten Bischofskreise hätten äußerst viel Aussicht auf Erfolg. mehr über Oosterhuis' Gotteslob-Lieder
Die Anmerkungen in den vier Bildpausen werden aktualisiert.
Der spirituell berührende Gesang GL 621 kann - und erfahrene Seelsorger und Kirchenmusiker wissen das zu schätzen - sehr komplexe pastorale und liturgische Situationen tröstlich in Worte und Töne fassen und vor allem transformieren. Die Sehnsucht nach Gott und seinem Trost wird in "Ich steh' vor dir" treffend artikuliert. Wer wollte dieses allen Ernstes bestreiten? Der Hintergrund des absurden Betreibens der GL-Funktionäre liegt allerdings im Kirchenpolitischen, denn der seit 1970 verheiratete Priester und ehemalige Jesuit Oosterhuis (*1933) ist ultra-konservativen Kräften selbstverständlich ein Dorn im Auge, da er zudem noch nach Querelen mitsamt seiner Studentengemende die katholische Kirche verlassen hatte. An dieser Stelle drängt sich freilich die nahezu groteske Frage auf, wie denn Martin Luthers Lieder im neuen Gotteslob zu behandeln wären.
Es macht keinerlei Unterschied aus, ob Oosterhuis im vorauseilenden Gehorsam durch die Gotteslob-Kommission zensiert wird oder ob man das Projekt in Rom beflissen zur Vorlage bringt, devot auf die augenscheinlich sichere Zensur wartet und dann - vermeintlich unschuldig - miträgt: Bischöfe, die ein neues Gotteslob ohne Oosterhuis-Texte verabschieden würden, müssten sich die Frage gefallen lassen, ob sie denn fortgesetzt und (pars pro toto) eine neue Retro-Restkirche zu konstruieren und zu betonieren trachten. Ein YouTube-Kommentator hatte in diesem Zusammenhang die zielführende Taktik der ultramontanen Allianz nicht verstanden: "Ich habe das komplette Inhaltsverzeichnis vom Stammteil des neuen GL vorliegen. Es entspricht NICHT - ich betone - NICHT den Tatsachen, dass die Osterhuis Lieder nicht mehr enthalten sind. Sowohl ..." mehr
So entsteht die eindringliche Frage, ob sich die einflussreiche Hardliner-Fraktion der deutschen Bischöfe nach dem Vorbild einiger niederländischer Kollegen durchzusetzen vermag. Auf der Seite leerhuisenliturgie.nl findet man folgende signifikante Darstellung der offensichtlich nur fernab des Theologischen erfassbaren Situation:
"... Ob dieser 'Liederstreit' eine Fortsetzung in Deutschland erfährt, ist unsicher. Das heutige Gotteslob enthält sechs Lieder von Huub Oosterhuis. Im vorigen Jahr erhielt der Bischof von Würzburg einen Brief aus Middelburg, in dem ihm stark abgeraten wird, Lieder 'des Ketzers Oosterhuis' in das neue Gemeinsame Gebet- und Gesangbuch (GGB) aufzunehmen. Dieser Brief wurde während der ..." mehr
In summa betrachtet muss festgestellt werden, dass hinsichtlich des neuen Gotteslobs ein beachtlicher Mangel an öffentlicher Kommunikation, ja ein "Fundamentalmangel an Transparenz" vorliegt, um einmal Worte Hans Küngs zu benutzen. Es drängt sich indes auch der Eindruck des zielgerichtet Klandestinen auf.
Polarisierung und verstümmelte Pluriformität
Es ist zu bedauern, dass das grundsätzlich löbliche Großunternehmen "Einheitsgesangbuch Gotteslob" (weltweit ein - auch historisch betrachtet - einzigartiges Phänomen!) instrumentalisiert wird, um innerkirchlich zu polarisieren. Dass es in einer Großkirche sehr unterschiedliche Lied-Beheimatungen gibt, ist gänzlich selbstredend. Warum will man jedoch eine Spiritualität und Glaubenspoesie im Projekt Neues Gotteslob zensieren, die viele erwiesenermaßen anspricht? Hier fahren Hardliner - und die Causa 'Gotteslob und Oosterhuis' macht es außerordentlich evident - die Nachfolgegemeinschaft Jesu völlig unnötig und konfliktreich gegen die Wand: Kirche verstümmelt sich ganz konkret in ihrer gewachsenen, reichhaltigen und attraktiven Pluriformität.
Die Rechnung des der Gotteslob-Kommission vorsitzenden Würzburger Bischofs Friedhelm Hofmann (er darf wohl dem Kreis um Kardinal Meisner zugerechnet werden) erweist sich als wohlkalkuliert: Das neue Gotteslob soll auf sein Betreiben hin durch die nicht nur dem Opus Dei nahestehende "Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung" penibel überprüft werden. Diese beachtliche Kongregation verurteilt dem Vernehmen nach die Texte Huub Oosterhuis' (Stichwort "Amsterdamer Studentenekklesia"), der in Rom als "Abtrünniger" gilt. Die vollumfängliche römische Überprüfung des Gotteslobs zzgl. Liedgut ist indes hinsichtlich der Notwendigkeit umstritten und wird als Schachzug des konservativ bis intensivkonservativen Teils der Deutschen Bischofskonferenz wahrgenommen, der damit alle verbliebenen liberalen Kräfte dieses Kollegiums unter Zugzwang setzen möchte.
Kardinal Cañizares Llovera bei der Priesterbruderschaft Sankt Petrus zu Wigratzbad - Link 2
Kardinal Cañizares Llovera bei der Priesterbruderschaft Sankt Petrus zu Wigratzbad - Link 1

